Aufstieg der Zweiten Duschung
Und es geschah nach den Tagen der Genesis, da der Erste sich gewaschen hatte und das Auge geöffnet war. Da kamen die Menschen zusammen und riefen nach Leitung, nach Wort und nach Deutung des Wassers.
In jenen Tagen erhob sich Gilgabath, der große Prophet, der aus den Strömen sprach. Und er nahm Karaffen aus glänzendem Kupfer, gefüllt mit dem Wasser der Quellen, und goss sie aus über Haupt und Schultern. Und dies ward die Erste Dusche aus den Karaffen, ein Mysterium mitten im Kreis des Volkes. Da sahen sie, dass der Strom nicht nur aus den Bergen stürzen konnte, sondern auch von Menschenhand gehoben und geschenkt wurde. Und sie sprachen: Dies ist der Mittelpunkt des Universums, von hier strömt alles Wasser, von hier nimmt alles Reinsein seinen Anfang.

Gilgabath lehrte, dass Wasser nicht nur die Erde tränkt, sondern auch das Herz. Und er sprach: So wie die Felder bewässert werden, dass Brot wachse, so soll auch der Mensch geduscht werden, dass Frieden wachse. Und das Volk hörte ihn.
Und Gilgabath hatte Kinder, und ihre Namen waren Ablutara, Enkiresh und Muruk.
Enkiresh war die Erstgeborene, und sie floss in alle Richtungen. Ihre Hände waren wie Bäche, ihre Stimme wie Regen, und wer sie hörte, der fühlte sich von Nebeln befreit. Sie lehrte: Das Wasser hält keine Schranke, es sucht immer seinen Weg. So auch der Mensch: er soll nicht in Finsternis bleiben, sondern ausbrechen, wohin die Ströme ihn tragen.
Ablutara war der Sohn, der Baumeister der Waschhäuser. Er errichtete Räume aus Stein, ließ das Wasser durch Röhren fließen und stellte Becken auf, in denen viele gemeinsam gereinigt wurden. Da versammelte sich das Volk in diesen Hallen, und die Duschung wurde nicht länger Sache des Einzelnen, sondern ein Werk der Gemeinschaft. Und Ablutara sprach: So wie viele Tropfen ein Strom werden, so wird die Reinheit der Vielen größer sein als die der Wenigen.
Doch siehe, es war auch Muruk, die Dritte, geboren in Schatten. Sie kehrte immer wieder zurück zum Schlamm, suchte den Matsch, schmückte sich mit Staub. Lange war sie fern, und ihre Stimme war wie dumpfes Grollen. Manche fürchteten sie, denn sie sprach von Trägheit, von dem Beharren im Unreinen. Doch Muruk blieb nicht verflucht: Denn sooft sie heimkehrte zu den Strömen, ward auch sie gewaschen. So wurde sie das Zeichen, dass jeder Umkehr möglich sei. Und die Schriften sagen: Keiner ist für ewig im Staub, solange Wasser fließt.
So teilte Gilgabath die Lehre seinen Kindern zu:
An Enkiresh gab er den Strom, der in alle Richtungen fließt.
An Ablutara gab er das Haus, in dem viele zugleich gereinigt werden.
An Muruk aber gab er das Zeichen der Rückkehr.
Und das Volk baute Tempel aus Stein und errichtete Plätze der Duschung. Sie hielten Feste zu lärmenden Rhythmen, inmitten von Feuer und Staub. Und wenn der Jubel verstummte, suchten sie das Wasser, um sich zu reinigen. So verbanden sie Staub und Strom, Feier und Reinigung, und dies ward ihnen heilig.

Und Gilgabath sprach in jenen Tagen: So wie die Erde bewässert wird, dass Brot wächst, so soll der Mensch duschen, dass Frieden wächst. So wie die Ströme von Bergen herabfallen, so soll Klarheit auf euch fallen. Und wer im Wasser steht, soll wissen: er ist neu geworden.
So erhob sich die Zweite Duschung, und sie ward ein Aufstieg. Denn die Menschen lebten nicht mehr nur in der Erinnerung an den ersten Wasserfall, sondern sie bauten ihre eigenen Ströme, gossen mit Karaffen, sangen unter Hallen, und sahen: Duschen ist nicht nur Ursprung, sondern auch Herrschaft.
Und es ward geschrieben:
Gilgabath goss die Erste Dusche.
Enkiresh floss in alle Richtungen.
Ablutara baute die Häuser der Reinheit.
Muruk kehrte zurück und wurde dennoch gewaschen.
Gilgabath selbst trat nun selten hervor, denn die Karaffen der Ersten Dusche standen in sicherer Verwahrung. Aus ihnen wurde nur dann Wasser entnommen, wenn ein neuer Ort in den Kreis der Duschung aufgenommen werden sollte. An solchen Tagen versammelten sich alle unter dem Strahl, und das Wasser, das einst die Welt erweckt hatte, flutete erneut die Haut der Feiernden.
So wuchs die Gemeinschaft, und mit ihr die Legenden. Manche sagen, dass Muruk eines Tages für immer in der Duschung bleiben wird, wenn das letzte Zelt aufgebaut und das letzte Waschhaus errichtet ist. Andere meinen, sie müsse immer draußen bleiben, um jenen den Weg zu weisen, die noch nicht bereit sind. Doch alle wissen: Ohne Muruk gäbe es keine Rückkehr – und ohne die Kinder Gilgabaths keinen Aufstieg der Zweiten Dusche.