Die Ströme unserer Geschichte – oder die Geschichte unserer Ströme.
Die Ecclesia Lavatio blickt auf eine lange, feuchte Vergangenheit. Von der ersten Berührung des Wassers im Nebel der Urzeit bis zur technischen Offenbarung der Machina Fontis – die Geschichte der Duschung ist die Geschichte des Menschen selbst: sein Aufstieg aus Matsch, sein Fall in Trockenheit und seine immer neue Sehnsucht nach dem Strahl. Hier ruhen die großen Epochen der Kirche – in ihnen rauscht das Echo von Tropfen, Zeit und Dampf.
Die Geschichte der ersten Kirche der Duschung

Die Erste Kirche der Duschung umspannt die mythischen und antiken Zeitalter, als Duschen noch Offenbarung war und nicht Routine. Ihre Ströme flossen von der ersten Erhebung aus Matsch über die Herrschaft der Duschenden bis zur verlorenen Harmonie. Sie ist das Fundament, auf dem alles spätere Rauschen ruht.
- genesis primae lavationis: Am Anfang war Modder, Staub und Matsch. Ein Wesen erhob sich, fand den Wasserfall und wurde der Erstgeduschte. In diesem Moment entstanden Reinheit, Klarheit und Erneuerung – die Drei Ströme. Hier beginnt der Glaube: in einem Tropfen, der zum Ursprung der Menschheit wurde.
- oriri secundae lavationis: Die Zeit Gilgabaths, der aus Karaffen die erste rituelle Dusche schuf. Aus Wasser wurde Kult, aus Schmutz Bedeutung. Hier entstanden die ersten Tempel, Rituale und Irrlehren – und mit ihnen das Wissen, dass Reinigung nicht nur Körper, sondern Geist formt.
- testimonium tertie lavationis: Das Zeitalter der Großen Thermen: Klysthothea und die Heiligen der Ströme predigen Harmonie und Ordnung. Duschen wird Philosophie, Dampf wird Geist. Die Menschen leben im Rhythmus der Waschung – in Reinheit, Klarheit, Erneuerung und der verheißenen vierten Strömung: Harmonie.
- nulla quarta lavationis: Dann kam das Schweigen des Wassers. Die Duschen versiegten, die Menschen wurden unrein – durch Hybris, Heuchelei und Angst. Die Kirche fiel in Trockenheit, ihre Gläubigen in Schatten. Nur in verborgenen Kammern hielten sie das Rauschen lebendig – als Flüstern des kommenden Tropfens.
Die Geschichte der zweiten Kirche der Duschung

Die Zweite Kirche erhebt sich aus der Asche der Trockenheit. Nicht durch Wunder, sondern durch Verstand. Hier beginnt die Neuzeit: der Mensch denkt – und er duscht wieder. Mit Pumpe, Brause und Patent erwacht die Erkenntnis, dass Wasser nicht nur göttlich, sondern auch handgemacht sein kann.
- illuminatio sine lavatione: Die Aufklärung vor der Duschung – trocken, klug und voller Staub. Philosophen reden über Reinheit, doch keiner steht unter Wasser. Sie dachten tief, aber schwitzten viel – ein Zeitalter des Verstands ohne Feuchtigkeit.
- illuminatio per lavationem: William Feetham erhebt sich aus Schweiß und Schwerkraft. Mit Hand und Pumpe erschafft er die erste mechanische Dusche – die Machina Fontis. Hier verschmelzen Technik und Offenbarung: das Wasser fällt nicht mehr zufällig, sondern auf Befehl. Ein neuer Bund zwischen Mensch und Strahl beginnt.
- illuminatio omnium lavationum: Die Duschung wird allen zuteil. Aus der Erfindung wird Gemeinschaft, aus dem Handwerk Kultur. Öffentliche Waschhäuser, Duschzelte, Festivals – das Wasser kehrt zurück in die Menge. So beginnt die moderne Zeit: das Zeitalter der Communia Lavacri – der gemeinsamen, universellen Duschung.